Dokumentationszentrum in Hinzert

Idyllische Landschaft umgibt den Ort Hinzert im Hunsrück, südwestlich von Trier. So gut wie keine Spuren zeugen vom Grauen zwischen 1939 und 1945, als hier in einem Konzentrationslager über 13 000 Menschen geschunden wurden. Nachdem die französische Militärverwaltung nach dem Krieg die Häftlingsbaracken abgeräumt und die vom NS-Regime gepachteten Felder den Bauern zurückgegeben hatte, blieb lediglich ein kleiner Ehrenfriedhof, der an die von der SS als »Arbeitsscheue« und »Volksschädlinge« diffamierten politischen Häftlinge erinnerte. Damit das kaum bekannte Konzentrationslager Hinzert und die Häftlinge, die hier unter Zwangsarbeit und Folter litten, nicht vergessen werden, lobte das Land Rheinland-Pfalz einen Wettbewerb für ein Dokumentationszentrum aus. Die Architekten gewannen mit einem Konzept, in dem Gebäudeform und Ausstellung ohne Pathos miteinander verschmelzen. Der expressive Baukörper mit seiner selbsttragenden Hülle aus verschweißten Cortenstahlplatten öffnet sich an der Stirnseite mit einer großen Glasfassade in Richtung des ehemaligen Lagers. Aufgedruckt auf das Glas überlagert ein historisches Foto der Häftlingsbaracken den Ausblick auf die Landschaft. Die Gebäudehülle ist zugleich Tragkonstruktion und Fassade, ohne weitere Elemente oder Bekleidungen. Aus über 3000 unterschiedlichen, von einer CNC-Fräse zugeschnittenen dreieckigen Cortenstahlplatten wurden in der Werkstatt zwölf großformatige Elemente vorgefertigt und auf der Baustelle miteinander verschweißt. Die Winkel zwischen den einzelnen Platten wurden so gewählt, dass die Elemente genügend statische Höhe besitzen und die gesamte Konstruktion ein ausreichend steifes Faltwerk bildet. Nach dem Verschweißen wurde die Oberfläche des Stahls sandgestrahlt und gleichmäßig oxidiert. Eine Nachbehandlung mit heißem Paraffin verleiht ihr zusätzliche Tiefe und einen dezenten Glanz. Anhand diverser Prototypen entwickelten die Planer in die Fassade integrierbare Türen und Fenster.

Dokumentationszentrum in Hinzert