Jahrelang war die reizvoll in der japanischen Seto-Inlandsee gelegene Insel Teshima vor allem für ihre Sondermülldeponie bekannt. Nach deren Schließung bedurfte es, neben Dekontaminierungsmaßnahmen, auch eines symbolischen Neuanfangs. Die mit Kunstprojekten bekannt gewordene Nachbarinsel Naoshima diente als Vorbild für die Revitalisierung. Auch auf Teshima sollten Kunst, Architektur und Landwirtschaft inmitten idyllischer Natur eine bessere Zukunft einläuten. Neben Ryue Nishizawas beeindruckendem »Teshima Art Museum«, einer abstrakt in die Landschaft gesetzten, maßstabslosen Betonblase, kommt diese Aufgabe auf alltäglicher Ebene dem Projekt »Shima Kitchen« zu. Inmitten eines kleinen Dorfes entstand um ein altes, leerstehendes Haus ein Treffpunkt für Einheimische wie Besucher. Mit einer überdachten Veranda öffnet sich der neu eingerichtete Gastraum großzügig ins Freie. Ein fließend geschwungenes Dach bindet den um eine Bühne unter alten Bäumen angeordneten, einem traditionellen Theater nachempfundenen Freibereich zusammen. Die Dachkonstruktion ist aus einfachsten, lokal verfügbaren Mitteln zusammengesetzt. Geflämmte Zedernbrettchen, auf der Insel traditionell als Wandverkleidung verwendet, bilden die Dachhaut. Nur am oberen Ende mit Kabelbindern befestigt, flattern sie im Wind und bieten so kaum Angriffsfläche. Daher konnte die gesamte Tragkonstruktion sehr leicht gehalten werden. Die Zedernschindeln liegen auf Stahl-Bewehrungsstäben, die wiederum, von Drahtschlaufen gehalten, auf einem Netz aus handelsüblichen Wasserrohren ruhen. Spiralförmige Drehfundamente, wie sie etwa für Gewächshäuser verwendet werden, verankern die dünnen Stützen, ebenfalls aus Wasserrohren, im Boden. Eine simple Lösung, die aufwändige Erdarbeiten vermeidet. Architekt und Ingenieur entschieden sich absichtlich gegen ein langlebigeres Material für die Dachhaut. Stattdessen soll die Dorfgemeinschaft die Erneuerung der Schindeln als regelmäßig wiederkehrendes Ereignis gemeinsam zelebrieren.
