Studentenwohnheime der 1970er-Jahre sind in der Regel geprägt von seriellen Baustrukturen mit langen Gängen und standardisierten Inneneinrichtungen – Eigenschaften, die bei den meisten Architekturbeispielen dieser Epoche nicht unbedingt positiv ins Auge fallen. Eine Ausnahme bildeten die Mini-Reihenhäuser des ehemaligen olympischen Frauendorfs, die der Münchner Architekt Werner Wirsing mit engen Gassen und Plätzen zu einer dichten Teppichstruktur verwoben hatte. Die Aneinanderreihung von 800 identischen Wohneinheiten in Betonfertigteilbauweise führte aber nicht etwa zur Anonymisierung der Bewohner. Im Gegenteil: Mit 24 Quadratmetern Wohnfläche, einer Galerieebene mit Dachterrasse sowie eigenen Koch- und Sanitärbereichen boten sie vielmehr Rückzugsräume und Entfaltungsmöglichkeiten, die ein solch intensives und selbstverständliches Gemeinschaftsleben erlaubten, wie es in Studentenwohnheimen ansonsten kaum zu beobachten ist.
