Obwohl die Kunstsammlung Ordrupgaard lange schon in den Besitz des dänischen Staats übergegangen ist, wird ihre Atmosphäre nach wie vor von dem privaten Umfeld eines Villengebiets im Norden Kopenhagens bestimmt. Hier hatte der Sammler Wilhelm Hansen 1918 seinen Wohnsitz »Ordrupgaard« im klassizierenden Landhausstil errichten und dem Hauptbau im Osten einen Galerietrakt anfügen lassen, um seine umfangreiche Sammlung von Gemälden des französischen Impressionismus und Fauvismus angemessen zu präsentieren. Das Anwachsen der Sammlung hatte eine Erweiterung notwendig gemacht. Dies bot die Chance, den formalen Dialog zwischen Museum und dem umgebenden, parkartigen Garten neu zu definieren. Der Erweiterungsbau dockt zwar an das alte Galeriegebäude an, scheint jedoch zugleich mit dem Gelände verwachsen zu sein. Er schiebt sich im Norden aus dem in weichen Linien modellierten Gelände, teilt sich in zwei Ausläufer und endet im Süden leicht über dem Gelände schwebend. Die schwarz eingefärbte Sichtbetonoberfläche trägt maßgeblich dazu bei, dass sich der Anbau zurückhaltend einfügt, obwohl er die Ausstellungsfläche um 500 m2 auf das Doppelte erweitert. Vom Eingang im Nordwesten gelangt man in das Foyer mit Museumsshop. Ein schmaler Gang neben dem Eingang führt in den Wechselausstellungsraum im Norden, der ebenso wie die Kabinette der Dauerausstellung im Gebäudezentrum festerlos und introvertiert ist. Tageslicht dringt lediglich über schmale Oberlichtstreifen in die Säle. So herrscht in den Ausstellungsbereichen, trotz unregelmäßiger Raum- form, eine ruhige, auf die Bilder konzentrierte Atmosphäre. Das Café und der Veranstaltungsraum in den Gebäudeausläufern im Süden besitzen dagegen eine großzügige raumhohe Verglasung, die sich entlang der Verbindungsrampe zum Foyer an der Ostfassade fortsetzt und – als innere Landschaft – einen Dialog mit dem Garten ermöglicht. Fast beiläufig erfolgt die Verbindung zum alten Galeriegebäude über einen der kabinettartigen Räume.
