Wie andere Städte im Norden Englands traf auch Wakefield der Niedergang von Bergbau und Industrie. Doch nun ist wieder Aufbruchstimmung erkennbar: Zu Ehren der berühmtesten Tochter der Stadt, der Bildhauerin Barbara Hepworth, wurde im letzten Jahr das »Hepworth Wakefield« eröffnet. Das Kunstmuseum bildet den Auftakt zu einer größeren Stadtentwicklingsmaßnahme, der Wiederbelebung der Uferzone entlang des Flusses Calder südlich des Stadtzentrums. Die neue Galerie besetzt die Spitze der Landzunge an einer Flussbiegung. Jenseits eines Wehrs tost im Osten der Verkehr einer Ausfallstraße, im Süden und Westen hingegen wirkt die Szenerie aus frühindustriellen Gebäuden und bunten Booten beinahe idyllisch. Das Grundstück ist aus allen Richtungen einsehbar, daher entschieden sich die Architekten für einen ungerichteten Baukörper ohne ausgewiesene Front- oder Rückseiten. Mit seiner Maßstäblichkeit und einer fast geologischen Anmutung tritt er jedoch nicht in Konkurrenz zu den charakterstarken historischen Produktions- und Lagerhallen, sondern integriert sich in die Umgebung. Die additive Komposition entspringt auch dem Programm: Die Sammlung wird in einer Sequenz von Räumen ähnlichen Charakters, aber mit unterschiedlichen, auf die Exponate abgestimmten Proportionen präsentiert. So entstand ein dicht gedrängter Cluster aus unregelmäßig geformten Kuben, die in einem System aus sich wiederholenden Winkeln um ein zentrales Treppenhaus herum angeordnet sind. Die in weiß gehaltenen Ausstellungsräume liegen alle im Obergeschoss und werden jeweils von Oberlichtbändern indirekt natürlich belichtet. An einigen Stellen sind Fenster in den Außenwänden platziert, mit Ausblicken auf den Fluss, den Skulpturengarten oder die alten Industriegebäude, um den Besuchern Außenbezüge und Orientierung zu bieten. Im Erdgeschoss befinden sich die üblichen Nebennutzungen eines Museums, Foyer und Café sind geschützt nach Westen und zur neuen Zugangsbrücke orientiert.
