Bibliothek in Curno

Curno, vierzig Kilometer nordöstlich von Mailand gelegen, gehörte zu den wohlhabenden Kleinstädten in der Provinz Bergamo. Bereits 1997 entstand der Entwurf, der das Gelände mit öffentlichen Einrichtungen um eine Bibliothek mit Vortragssaal ergänzen sollte. Die Verwirklichung erfolgte allerdings erst zehn Jahre später. Ausgehend von der Idee, die traditionelle Cavea, den Zuschauerraum des römischen Theaters, zeitgenössisch zu interpretieren, ist das eigentliche Dach als imposante Außentreppe mit Sitzstufen ausgebildet. Die Treppe prägt den skulpturalen Bau maßgeblich und schafft in Verbindung mit dem davorliegenden Platz den Rahmen für Freiluftveranstaltungen. Ein weiteres raumbildendes Element stellt der lange, diagonal den Grundriss durchschneidende Korridor dar mit seinen über neun Meter hohen, vierzig Zentimeter starken Stahlbetonwänden. Neben der Aufgabe als statisches »Rückgrat« des Gebäudes erbringt er die notwendige Trennung in brandschutztechnischer Hinsicht und fungiert als Puffer zwischen den verschiedenen Bereichen – Veranstaltungsort auf der einen, ruhiges Leseareal auf der anderen Seite. Auch von außen sind die beiden Funktionen ablesbar. Während die gefaltete Fassade der Bibliothek durch drei horizontale Fensterbänder gegliedert ist, zeigt sich das Auditorium rundum geschlossen.

Bibliothek in Curno