Diskussion: Fritz Haller – System und Vorfertigung

 - Hubertus Adam

Der Name des Architekten Fritz Haller ist untrennbar mit dem Möbelsystem USM Haller (Abb. 4) verbunden, das zu einer Ikone des Schweizer Designs avanciert ist. Nicht ohne Grund, denn das geniale System, das aus Knoten, Stahlrohren und Blechen – Punkten, Linien und Flächen – besteht, ist der Inbegriff eines modularen Konzepts und lässt sich beliebig als Raumtragwerk in jede Richtung erweitern. Hallers Interesse für Geometrie, Standardisierung und Vorfabrikation sowie seine lebenslange Suche nach Strukturen, die sich den sich wandelnden Bedürfnissen der Nutzer anpassen, kamen mit dem USM-System auf überzeugende Weise zusammen. Aber auch wenn Haller sich als Systematiker verstand, wie es der von ihm selbst verantwortete Katalog zu seiner großen monografischen Wanderausstellung 1988 – 91 zum Ausdruck bringt 1, so verlief die Entwicklung seines Werks zwar kontinuierlich, aber längst nicht so zielgerichtet, wie er es selbst gern darstellte. Nach Tätigkeiten in verschiedenen Schweizer Architekturbüros trat er 1948 eine Arbeitsstelle bei Willem van Tijen und Huig Maaskant in Rotterdam an. Haller hat sich zu diesem Auslandsaufenthalt wenig geäußert. Gleichwohl muss angenommen werden, dass die Erfahrung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadtzentrums Rotterdams von nachhaltiger Wirkung war und die auf einem Tabula-Rasa-Prinzip basierenden späteren eigenen städtebaulichen Visionen Hallers zumindest mitbestimmte. Fragen des Wiederaufbaus wurden auch in der von direkten Kriegseinwirkungen weitgehend verschonten Schweiz diskutiert: So präsentierte Max Bill im Auftrag des Schweizerischen Gewerbeverbandes 1945 eine Publikation, in der er nicht nur eine Bilanz über die Kriegsschäden vorlegte, sondern auch diverse Experimentalbauten und Vorfertigungssysteme für den Wohnungsbau beschrieb 2; auch die Wiederaufbaupläne für Rotterdam von van Tijen & Maaskant sowie Brinkman & van den Broek wurden kurz gestreift und sogar für das Titelbild verwendet.

Diskussion: Fritz Haller – System und Vorfertigung
Höhere Technische Lehranstalt Brugg-Windisch, 1966, Architekt: Fritz Haller © Kunstverein Solothurn: Fritz Haller, bauen und forschen