Terrassenhaus in Aarhus

 - Frank Kaltenbach

Noch vor wenigen Jahren war der Pier zwischen der Marina und dem Bassin 7 im Hafen von Aarhus eine leere Betonplattform. 2014 hatte Julien de Smedt dann bei seinem Pionierprojekt, dem Iceberg, spitzgiebelige weiße Prismen gegeneinander versetzt, um Blickachsen für die Häuser in zweiter Reihe trotz der tiefen Parzellen freizuhalten. Nun schafft sein ehemaliger Büropartner Bjarke Ingels gemeinsam mit Gehl Architects ein lebendiges Hafenquartier mit Meerwasserschwimmbad. Und erneut sind innovative Typologien am Entstehen, damit möglichst viele Wohnungen trotz der vorgeschriebenen Blockrandbebauung vom direkten Blick aufs Wasser profitieren. Bei seinem geplanten 20-geschossigen Hotel und dem fertiggestellten Wohnungsbau AARhus an der Spitze der künstlichen Landzunge befreit sich das Architektenteam mit großzügigen Terrassenbauten aus der städtebaulichen Enge, die die geforderte Traufhöhe teils überragen, an anderer Stelle aber wiederum unterschreiten. Um die Anwohnertiefgarage im Sockel des Wohnungsbaus läuft ein Kranz von Ladengeschäften. Darüber türmt sich ein asymmetrisches Trapezvolumen auf, das sich mit dem begrünten Innenhof zum Hafenbecken Bassin 7 hin öffnet. Die 10-geschossige Ostecke des trapezförmigen Blockrands steigt zur Nordecke Richtung Stadt terrassenförmig auf 13 Geschosse an, zum gegenüberliegenden Hochpunkt Richtung Meer auf 19 Geschosse. Im Gegensatz zu den aus Kuben zusammengesetzten Wohnhügeln von BIG in Kopenhagen oder Stockholm schweben hier die Geschossdecken als hauchdünne Beton-Plattformen übereinander. Entlang des Blockrands sind sie als schmale Galeriebänder mit unsichtbaren Ganzglasbrüstungen zwischen den raumhohen Verglasungen der Wohnungen ins Freie durchgezogen und bieten den Standard-Apartments einen privaten Freiraum, der von den seitlichen Nachbarn durch keilförmige Holztrennwände geschützt ist. An den Terrassen liegen die größeren Wohnungen, durch leichte Krümmung wird der Panoramablick zusätzlich geweitet. Auf die Spitze getrieben ist das Terrassenprinzip im jeweils obersten Geschoss, wo innerhalb der verglasten Fläche nur 10 m2 große Panorama-Wintergärten ausgesetzt sind wie der Ausguck eines Segelschiffs. Über eine Außentreppe sind sie mit dem darunterliegenden Stockwerk zu einer Penthouse-Maisonette verbunden. Die archaisch puristische Erscheinung des Wohnblocks lebt von der Durchgängigkeit der Betondecken. Konstruktiv handelt es sich jedoch um unterschiedliche Bauteile: Die optisch durchlaufenden 1,80 m breiten und bis zu 7,30 m langen Balkonplatten der Galerien haben ein eigenständiges Tragwerk, sie sind bauphysikalisch und statisch völlig getrennt von den Geschossdecken. Die 486 Beton-Fertigteilplatten, liegen auf 442 vertikalen Beton-Fertigteilstützen auf, die als Konsolen vor die wärmegedämmte Fassade gestellt sind und von den keilförmigen Holzverschalungen verdeckt werden.

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