Wir leben im Jahrhundert der Städte. Immer mehr und immer größere Metropolen ziehen die Menschen an. Wie Jahresringe legen sich neue, oft informelle Ansiedlungen Gürtel für Gürtel um die überfüllten Kerne, die urbanen Ungetüme wuchern in die Landschaft. Unverbauter Grund ist daher schon lange eine unserer wertvollsten Ressourcen. Die Verdichtung von bereits versiegelter städtischer Fläche reduziert die Zersiedlung der Landschaft, verspricht ein geringeres Verkehrsaufkommen und einen niedrigeren Energieverbrauch. Voraussetzungen für eine »sinnvolle Dichte« sind dabei eine Nutzungsmischung innerhalb der Stadtquartiere, die lange Wege obsolet macht und genügend Ausgleichsflächen für Stadtklima und Bewohner. Zudem steigt der Flächenbedarf der Bevölkerung mit dem Wohlstand der Länder. Während der durchschnittliche Einwohner Schanghais auf sieben bis neun Quadratmetern wohnt, einer Fläche die hierzulande einer Abstellkammer entspricht, hat ein Bundesbürger über 40 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Doch anders als in China, wo die Verantwortlichen mehr Raum schaffen, indem sie niedrigere historische Wohnviertel abreißen, um sie durch hohe Wohntürme zu ersetzen und damit die Vergangenheit des Landes systematisch ausradieren, genießt das historische Erbe in Europa höheres Ansehen und Nachverdichtung bedeutet »weiterbauen«: auf Brachen, in Lücken, mit Anbauten oder auf den Dächern der Altstadt.