Strategien und Typologien im Hotelwesen

In den 60er- und 70er-Jahren schien die Hotelkultur an ihr Ende gekommen zu sein: Gesichtslose Apartmenthotels und konfektionierte Kettenhotels beherrschten den Markt. Die Institution Hotel hatte den öffentlichen Charakter, der die Hotelpaläste der Belle Epoque bestimmte, verloren und sich auf regenerative Funktionen reduzieren lassen; aus Hotels waren Beherbergungsbetriebe geworden, deren einziger Zweck darin bestand, den sich tagsüber andernorts verausgabenden Gästen die Gelegenheit zur körperlichen Erholung zu geben. Seit Mitte der 80er-Jahre scheint dieser Trend gebrochen, zumindest relativiert - 1984 eröffnete Ian Schrager in Manhattan das Morgans, dessen distinguierte Möblierung und Ausstattung durch die Pariser Gestalterin Andrée Putman neue Maßstäbe setzte. Die Idee des Designhotels war geboren; Hotelmanager entdeckten, dass Namen wie Putman oder Philippe Starck in einer designorientierten Ära für manche Menschen Grund genug sind, ein Hotel aufzusuchen - die Übernachtung wird im Verständnis der Gäste zum kulturellen Event, der ästhetische Mehrwert legitimiert höhere Preise. Maßgeblich Starck war es, der mit seinen Hotels für Schrager in New York, Los Angeles, Miami, San Francisco und London das Hotelwesen erfolgreich revolutionierte. Von dem kleinen exklusiven Boutique-Hotel der ersten Jahre, wie es das Morgans verkörperte, führte der Weg bis zu Starcks im Jahr 2000 eingeweihten Hudson (Abb. 1) mit immerhin 824 Betten. Schrager und Starck hatten erkannt, dass die öffentlichen Bereiche entscheidend zum Erfolg der Hotels beitragen, wenn man eine urbane Klientel ansprechen will. Eine Sequenz unterschiedlich gestalteter Clubs, Lounges, Bars und Restaurants des von der West 58th Street aus zugänglichen Hudson in Manhattan beansprucht das gesamte oberste Geschoss des Sockels, über dem sich die Zimmerflure finden. Ein schwefelgelber Rolltreppenschacht schleust die Besucher hinauf zur Rezeption, die wie eine Mischung aus Jagdhütte und Gartenlaube wirkt.