Schon von Weitem ist sie zu sehen, doch von vornherein als Kapelle zu erkennen gibt sie sich nicht. Als erratischer Block ragt sie, zwölf Meter hoch und in sandfarbenem Ton, oberhalb von Wachendorf in der Eifel aus dem Dinkelfeld: Für einen Wehrturm, einen Silo und einen Campanile wurde sie schon gehalten. Trutzig und erhaben behauptet sie ihre Eigenheit und nimmt in ihren Proportionen doch Rücksicht auf die grüne, wellige Landschaft. Es ist das Werk von Peter Zumthor, den der Landwirt Hermann-Josef Scheidtweiler, dem in der Fünfhundert-Seelen-Gemeinde der Heidehof gehört, gewinnen konnte, hier eine Feldkapelle zu errichten. Gewidmet ist sie dem heiligen Nikolaus von Flüe (1417-1487), genannt Bruder Klaus, Friedensstifter, Mystiker und Einsiedler in den Schweizer Bergen. Die monolithische Glätte, die dem Bauwerk anzuhaften scheint, löst sich beim Näherkommen auf und gibt eine schroffe, spröde Oberfläche preis, wie sich die Feldkapelle überhaupt, bedingt durch den unregelmäßigen fünf-eckigen Grundriss, von jeder Seite anders ausnimmt. Material und Arbeitsweise werden sichtbar: Beton, der aus Flusskies, rötlichgelbem Sand und weißem Zement besteht und in 23 Lagen von je 50 Zentimeter Höhe geschichtet wurde, und zwar in Eigenleistung von einer aus Freunden und Bekannten des Bauherrn gebildeten »Stampfmannschaft«. Die kantige Vertikale aber lässt noch keine Aufschlüsse über den Innenraum zu, der aus 112 Baumstämmen geformt wurde. Über einer Bodenplatte aus Beton zu einer zeltartigen Konstruktion aufgerichtet, wurden sie mit Beton umgossen, später drei Wochen lang einem Köhlerfeuer ausgesetzt, das sie antrocknen ließ und zum Teil vom Beton löste, bevor sie mit einem Kran von oben aus der Öffnung des »Zelts« herausgezogen wurden. Die hellen Abdrücke, die die Stämme hinterließen, wurden mit einem zweiten Feuer geschwärzt, ein Betonboden eingebracht und mit einer zwei Zentimeter dicken Zinnbleischicht belegt.