Der Erweiterungsbau der Art Gallery of New South Wales in Sydney wirkt wie zufällig hingestreute, ineinandergeschobene Pavillons mit zwei luftigen Stahldächern und drei geschlossenen Kalksteinkuben. Er verdoppelt die Fläche der Kunstinstitution, die 1871 gegründet wurde. Mit ihrer aufgelockerten transparenten Architektur ist es Sanaa und ihren Partnerarchitekten Architectus gelungen, dem klassizistischen Altbau ein eigenständiges Konzept gegenüberzustellen, ohne dessen Dominanz zu beeinträchtigen. Der Rundgang durch die Sammlungen führt über drei Geschosse nach unten vom Licht ins Dunkel: Den Auftakt bildet das 40 × 36 m große Vordach aus 108 gekrümmten Scheiben aus transparentem Gussglas, deren Wellenstruktur auf die Wasseroberfläche des Sydney Harbour Bezug nimmt. Der Pavillon der Eingangshalle ist mit einem geschlossenen, gerasterten Stahlrost und einer Photovoltaikanlage gedeckt. Der Blick schweift durch die gläsernen Aufzüge von der Besucherplattform rundum weit hinaus über den Hafen. Die bis zu 11 m hohen Fassaden des Atriums, bei denen die Pfosten als Glasschwerter optisch aufgelöst sind, verstärken die Transparenz. Extrem schlanke Stahlstützen unterstreichen den schwebenden Charakter der filigranen Dachfläche, die zum Vordach hin fast unmerklich aufgebogen ist. Das Dach über der Cafeteria, die ein Geschoss tiefer liegt, ist ebenfalls ein geschlossener dünner Stahlrost, dessen Krümmung der Topografie des Hangs folgt und ein gesamtes Geschoss einnimmt. Er sticht durch die Fassade hinaus in die terrassierte Parklandschaft, wo die abfallende Dachfläche begehbar und durch Sitzstufen zu einem Auditorium im Freien wird. Im Gegensatz zum transparenten Atrium sind die drei 5,5 m hohen Räume für die Hauptausstellung, die Kunst der Ureinwohner Australiens sowie die Wechselausstellungen komplett geschlossen mit stützenfreien Flächen von 1000 bis 1200 m2. Schmale handgehauene Kalksteinriemchen unterschiedlicher Länge verleihen den Fassaden der abstrakten Kuben eine feine haptische Anmutung. Ihre Dachflächen sind begrünt und als Terrasse oder Ausstellungsplattform integraler Teil der 34 ha großen Parklandschaft, die rund um die Uhr der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Regenwasser der Dächer wird gesammelt und gekühlt zur Klimatisierung der Räume eingesetzt. Auf den Dachterrassen und in unmittelbarer Umgebung wurde eine Fläche von 8000 m2 neu angepflanzt, überwiegend mit Pflanzenarten, die vor der europäischen Besiedlung hier heimisch waren und die Biodiversität erheblich steigern.