Der Helm ist 1. die kriegerische Kopfbedeckung als Rüstungsstück bezw. Vertheidigungswaffe, wie sie in den verschiedenen Zeiten sich gewandelt hat und namentlich in der Heroldskunst noch jetzt eine Rolle spielt, 2. der nach oben enge, nach unten weite Rauchmantel über einer Feuerung, 3. der Stiel an Werkzeugen zum Schlagen und Hauen, meist von Weißbuchen- oder Rüsternholz, 4. der das Dach bildende Theil eines Thurms, sofern dieses Dach nicht etwa eine Plattform ist, die nicht weiter in die Augen fällt, oder auch nur so flach ist, daß es wie bei den altchristlichen Glockenthürmen Italiens über dem steinernen Rumpfe keine Rolle spielt. Ein Thurmhelm hat also weniger den Zweck der Wasserableitung, den ja die durchbrochenen Steinhelme überhaupt nicht haben können, als eines oberen monumentalen Thurmabschlusses. Er bildet gewöhnlich ein Zelt- oder Kegeldach und hat sich mit der Renaissance auch kuppel-, hauben- und zwiebelförmig in geschweiften Linien und mit Laternenaufbau ausgebildet. Die großartigsten Helme zeigen uns aber die Kirchthürme der romanischen und besonders der gothischen Zeit sowohl in Holz mit Metall- und Steindeckung, als namentlich auch in Werkstein von allerreichster Durchbildung. Diese riesenhaften Steinpyramiden, die, besonders wenn sie maaßwerkartig durchbrochen sind, doch nur einen idealen Zweck haben können, versinnbildlichen in ihrem kühnen bis in die Wolken aufragenden und dabei immer mehr an Stoffe verlierenden Aufbaue das ganz auf den Himmel gerichtete, das Irdische überwindende Streben des Mittelalters nach den Gütern der Kirche, als der alleinigen Inhaberin aller geistigen Bildung und Macht zu jener Zeit.rnMassive Helme a) aus Werkstein, Abb. 1; Verhältniß der Steigung hier wie bei allen anderen Helmen am Besten nicht über 1:4. Vierseitige Grundform nicht günstig, daher meist achteckige; runde selten. Seitenschub der steilen Seitenwände gering, daher dieselben auch verhältnißmäßig schwach sein können, nämlich bei Kegelform 1/24 bis 1/30 des Lichten je nach der Schwere und Festigkeit des Baustoffs, bei achtseitiger Grundform bis 1/9 einer Seitenlänge, wobei in etwa 4 m hohen Absätzen gemauert werden kann und zwar so, daß der oberste immer noch 12 cm stark bleibt. Uebrigens kann man die Wandungen durch Rippen und Ringe verstärken und dann die Wandstärke bis auf 1/18 vermindern; diese reicht stets aus, so lange Kreislinie c zwischen den Wandungslinien W und w bleibt. Lagerfuge der Schichten wagerecht oder zur Neigung senkrecht; bei Letzterem dringt der Regen leichter in die Fugen und die Ecksteine lassen sich schwieriger herstellen; bei Ersterem spitzer, für die Haltbarkeit ungünstiger Winkel unten an den Schichten; Vermeidung desselben bei Sandstein nach Abb. 2, bei Backstein nach Abb. 3. Vereinigung der Wandungen an der Spitze zu einem Mauerwerksklotze, dessen Steine gut zu verdübeln sind und durch den inmitten senkrecht das Loch für die Helmstange geht. Diese über dem Mauerwerke mit einer das Loch gegen den Regen dicht schließenden kappenartigen Verbreiterung versehen, kann im Inneren unter dem Mauerklotze mittels Schraube angezogen werden und dadurch die oberen Steine vollends fest vereinigen, oder sie kann noch mehrere Meter tief hinabgeführt und daselbst mit einem Gewichte belastet werden, wodurch gleichfalls eine genügende Verbindung, zugleich eine Tieferlegung des Schwerpunkts der Spitze und somit eine Abschwächung der durch den Wind verursachten schädlichen Schwankungen der zu Kreuz, Hahn oder dgl. ausgebildeten Helmstange erreicht wird. Diese mitten durch die Spitze geführte, unten gut verschraubte oder genügend tief belastete eiserne Stange sollte als Halt auch, wenn angängig, durch den Stein einer etwaigen Kreuzblumenbekrönung hindurchgehen. Kleinere Helme bestehen aus Platten in Verband an den Kanten versetzt; maaßwerkliche Durchbrechungen der Wandungen, wie sie am Freiburger Münster, am Cölner Dome usw. so überaus reizvoll gemacht sind, auch aus Platten meist zwischen nach außen und innen zur Verstärkung vortretenden Rippen an den Helmkanten; Verband der Platten durch Spundung und durch Verdübelung in Bronze. Auskragung eines Umgangs am Helme nach Abb. 4, Ausführung einer Helmunterbrechung durch eine Art Laterne, deren Mauerstärke mit Bezug auf den Schub ihrer Bedachung stärker als die der unteren Helmwände sein muß, aus Abb. 1 ersichtlich.rnHelme in Ziegelmauerwerk sind oft billiger als sandsteinerne, hölzerne oder eiserne; größere sind in Folge der Feuchtigkeit durch Regen, Schnee und Niederschlag, sowie des Frostes schon nach einigen Jahrzehnten verwettert; kleinere aus dem Mittelalter haben sich erhalten. Ausführung mit wagerechten oder zur Neigung senkrechten Lagerfugen; Spitze besser durch Quader zu ersetzen, sonst mit Umkleidung in Blei- oder Kupferblech. Auch hier lothrecht durch die Spitze geführte Helmstange. Beste Backsteine unbedingt nöthig, daher klinkerartig feste zu verwenden, nicht Klinker, da der Mörtel an ihnen nicht gut haftet; die mittelalterlichen klinkerartigen Glasuren sind haltbar gegen die Witterung, die ein Helm aushalten muß, die heutigen fast durchweg nicht, daher Vorsicht ihnen gegenüber. Für die Kanten Formsteine. Ausführung am Besten in verlängertem Cementmörtel (Cement 1, Kalk 1, Sand bis zu 6 Theile) oder in Cementkalk. Oberster Absatz der Wandungen ½ Stein stark meist genügend. Luftöffnungen erforderlich zur Verdunstung der sich durchschlagenden oder aus dem Thurminneren aufsteigenden und am Helmwandinneren sich niederschlagenden Feuchtigkeit.rnIn Cementguß Helme herzustellen, wie an der Peterskirche in Görlitz, ist glücklicherweise ohne Nachfolge geblieben.rnHelme in Holz mit Metall-, Schiefer- oder Ziegeldeckung werden als kegel- oder pyramidenförmige Zeltdächer ausgeführt, d. h. so lange die Höhe gering genug ist, eine Dachconstruction zuzulassen, also etwa Durchmesser-Höhe. Gratgebinde in irgend einer geeigneten Art ausgeführt, mit Schiftsparren und ein Kaiserstiel, in den sich die zur Spitze hinaufgehenden Hölzer zapfen, sowie Dachbalken, die auch als Stichbalken von Wechseln ausgehen können und in die sich die Sparrenfüße zapfen, sind die wesentlichen Bestandtheile. Beispiel eines mächtigen Kegeldachs Anfang 16. Jahrhundert in Abb. 5 und 6.rnThurmhelme können bei gleicher Gefahr des Umsturzes und der Verschiebung, z. B. durch den Wind, fünfmal den Durchmesser der Grundfigur als Höhe haben, obwohl man sie in der Regel nicht über viermal so hoch macht. Es ist nach den besten mittelalterlichen Beispielen rathsam, mit dem Holzwerke nicht allzu sehr zu sparen, damit der Helm nicht zu leicht wird. Ueber die Frage, ob das Holzwerk mit dem Mauerwerke zu verankern sei, ist viel gestritten. Die vortrefflichen Riesenhelme des Mittelalters sind zwar in Folge der Witterungseinwirkung fast alle schief geworden und haben sich von Osten nach Süden und Westen herum mehr oder minder korkzieherförmig gedreht, aber sie stehen alle unverankert auf den Mauerlatten, sodaß sie sich um das geringe, bei Sturm nöthige Maaß bewegen können, ohne daß das Mauerwerk in Mitleidenschaft gezogen wird. Eine Nothwendigkeit zur Verankerung liegt also nicht vor. Sie kann nur den Zweck haben, bis zur Eindeckung, wenn noch der Wind auf das Gespärre einen viel stärkeren Angriff auszuüben vermag, oder zu leichte Constructionen vor Umsturz zu sichern; sie muß aber das Mauerwerk meist auf 5,0 m und mehr hinab fassen, um überhaupt wirksam zu sein und dem Mauerverbande nicht noch zu schaden. Bei Zerstörungen von uneingedeckten Helmen durch orkanartigen Sturm, wie 1889 am Helme der Kirche in Wehlheiden bei Cassel, hat mehr ein Wegschieben als ein Kippen stattgehabt. Ausführung eines großen spätgothischen Helms Abb. 7, 8, 9, 10 und 11. Andere Art der Ausführung im 15. Jahrhunderte Abb. 12 und 13.rnVerwendet ist auch im Mittelalter schon die sogenannte Mollersche Ausführung Abb. 14. Für kleinere Helme sind Beispiele in Abb. 15 und Abb. 16.rnSeit das Eisen eine so vielfache Anwendung im Bauwesen gefunden hat, hat man auch eiserne Helme hergestellt, die vielleicht in verschiedener Hinsicht Vorzüge, wenn auch nicht gerade den der Billigkeit, haben und daher unter Umständen wohl angebracht sein mögen, hier aber als Aufgaben des Ingenieurs nicht berücksichtigt werden können, da für sie der Architekt meist nur die Kunstform angiebt.rnStandsicherheit eines hölzernen Helms ist vorhanden, wenn nach Abb. 17 Wd • 1/3 h G • b/2.rnIst diese Bedingung nicht erfüllt, so kann man entweder G durch stärkere Hölzer oder dgl. vergrößern oder man muß das Standmoment G • b/2 von dem Umsturzmomente Wd • 1/ 3 h abziehen und den Rest R durch eine entsprechende Verankerung aufheben, indem man die Ankerstärke dem Ankerzuge R/b entsprechen läßt. Dem entsprechend muß der Anker so tief hinabgeführt werden, daß er einen Mauerwerkskörper vom Gewichte R/b mit dem Helme verbindet.rnrnAbb: 5. Helm.rnAbb. 6. Helm.rnAbb. 5 und 6. Helm. Kegeldach des Zwingers vor dem breiten Thore in Goslar. Anfang des 16. Jahrhimderts. Zwei sich rechtwinkelig Kreuzende Hängewerke bilden den Dachstuhl für die Sparren, die durch Kehlbalkenlagen versteift werden und sich unten in die von Wechseln gehaltenen Stichbalken zapfen. Alles Tannenholz, gut erhalten. Abb. 5 Schnitte und Balkenlagen. Abb. 6 Einxelheiten des HolzverbandesrnAbb. 7. Helm.rnAbb. 8. Helm.rnAbb. 9. Helm.rnAbb. 7, 8, 9, 10 und 11. Helm der St. Johanniskirche in Lüneburg. Anfang des 15. Jahrhunderts. In sich verstrebte Gerüstwände mit durch Balkenlagen gebildeten Geschossen geben im Wesentlichen den Halt für die durch angenagelte Knaggen aufgehängten Sparren. Die Errichtung ist nicht schwierig gewesen, da jede Seite für sich hat aufgestellt werden können. Es sind etwa 7000 lfdm Holz verbaut, die 300 bis 350 cbm enthalten, was als nicht zu viel bezeichnet werden muß; alles Eichen.rnAbb. 10. Helm.rnAbb. 11. Helm.rnAbb. 12. Helm.rnAbb. 13. Helm.rnAbb. 12 und 13. Helm der Kirche in Grifte bei Cassel. Ende des 15. Jahrhunderts. In zwei Geschossen ist aus Diagonalkreuzen zwischen Hölzern, die in gewissem Abstande von den Gratsparren und mit denselben gleichlaufend errichtet sind, für die Sparren der Halt und zugleich eine innere Verstrebung gebildet. Alles Eichenholz; Schieferdeckung.rnAbb. 14. Helm.rnAbb. 14. Helm in Moller'scher Art. Es sind Geschosse gebildet, deren schräge Wandungen von je vier Andreaskreuzen zwischen Schwelle und Rähm gebildet werden, während die Balken, an die Sparren angeblattet, diese paarweise versteifen. Die Kreuze werden auch abwechselnd versetzt. Das so entstandene Sparrengerüst ermöglicht eine leichte Errichtung der langen Sparrenhölzer und des Kaiserstiels, der nur für die Einzapfung mit Versatz der Sparrenenden und für die Anblattung der Zangen im oberen Sparrentheile zu dienen hat, also nicht bis auf die Helmsohle hinabzureichen braucht. Die Verbindung des Kaiserstiels mit den Sparren wird noch durch ein von oben aufgetriebenes eisernes Band vervollständigtrnAbb. 15. Helm der Kirche in Elm. Vereinigung der im unteren Geschosse angewandten, die Raummitte freilassenden Moller'schen Art mit der diagonalen Kreuzverstrebung des Mittelalters.rnAbb. 16. Helm der Kirche in Allendorf an der Landsburg.Die diagonale Kreuzverstrebung der Sparren bei einem kleineren Helme angewandt. Die Hölzer der Kreuze dürfen einander nicht berühren, darnach ist ihre Höhenlage zu bestimmen.rnAbb. 17. Helm. Schema zur Bestimmung der Standsicherheit eines hölzernen Helms.