Das quadrige Schichtenmauerwerk

Das quadrige SchichtenmauerwerkrnAuch das Quadermauerwerk konnte früher stets ohne genaue Werkzeichnung ausgeführt werden, da die Steinmetze ausschließlich auf der Baustelle arbeiteten und alle auftretenden Sonderfälle durch Nehmen der Maße an Ort und Stelle, durch Austragen in natürlicher Größe und so fort leicht lösen konnten. Die Steinmetzen sind jedoch heute mit den Steinbruchbetrieben fest verbunden. Wir müssen die Steine fertig bearbeitet von den Brüchen beziehen und brauchen daher die Zeichnung als Brücke, um die Fehlerquellen, die durch die Ungunst der räumlichen Trennung entstehen, zu beheben. Aber auch hier sollten wir den lästigen Papierverbrauch auf ein Mindestmaß beschränken.rnEntsprechend dem verschiedenen Umfang von Vorschriften und zeichnerischem Aufwand können wir unterscheiden:rn1. Quadriges Schichtenmauerwerk mit beliebigen Längen und Höhen: ein in der Lieferung wirtschaftliches, im Versetzen umständliches und kostspieliges Verfahren, da das Nacharbeiten der Steine hohen Zeitaufwand erfordert. Wegen der geringen Vorteile und der großen Nachteile ist diese Methode für den neuzeitlichen Werksteinbau nicht zu empfehlen.rn2. Quadriges Schichtenmauerwerk mit vorgeschriebenen Höhen und beliebigen Längen, jedoch ohne zeichnerische Festlegung. Dies Verfahren eignet sich für alle Bauwerke, die ungegliederte Mauerflächen aufweisen. Es stellt also die ideale Lösung für den Brückenbau in Quadern unter den heute gegebenen Verhältnissen dar (Abb. 21).rn3. Quadriges Schichtenmauerwerk mit zeichnerischer Festlegung des Verbandes, mit eingerechneten Höhen und freibleibenden Längen, jedoch ohne Numerierung der Steine. Dies Verfahren eignet sich für Quaderbauten geringerer Ausmaße oder solcher Bauwerke, deren Höhenmaße eine genaue Einrechnung der Schichtenhöhen erfordert. Für den Übergang zum freien Schaffen ohne Plan ist diese Behandlungsart eine wünschenswerte Hilfe und ein ausgezeichnetes Mittel, Bauleitung und Handwerk langsam zur Selbständigkeit zu erziehen. Der Maurer, der die Schichtensteine versetzt, hat wenigstens noch etwas zu überlegen. Hier wird ein selbständiges Denken verlangt, und Polier und Maurer beweisen gern, daß sie diese so seltene Tugend besitzen. Je höher der Grad der Selbständigkeit, um so größer die Freude am Werk, um so lebendiger und natürlicher das Ergebnis (Abb. 22).rnDie zweite Art ist die Methode, nach der die Bauleitungen gemeinhin vorgehen sollten. Für die Steinlieferung ohne zeichnerische Festlegung sind natürlich genaue Bedingungen vorzuschreiben, vor allem eine den Eigenschaften der Gesteinsart und dem Stein vorkommen gemäße Festlegung der Schichthöhen und eine Mindest- und Höchstbegrenzung in dem Verhältnis von Höhe zur Länge der Werkstücke. Dies Verhältnismaß ist bei jeder Gesteinsart außerordentlich verschieden. Es schwankt zwischen einem Verhältnis von 1:12 bei plattigen Gesteinen wie Schiefer, bis zu einem Verhältnis von 1:1 bei manchen Hartgesteinen. Hierbei sei erwähnt, daß die allgemein gültige Regel, für die Länge mindestens das eineinhalbfache der Höhe zu verlangen, durchaus nicht den Gegebenheiten aller Gesteinsarten entspricht. Für den Steinmetzen, der das Material ständig unter der Hand hat, bedeutet das richtige Verhältnis kein Problem. Der Planfertiger oder aber der Bauleiter, der im Beschrieb die Höhen und die Mindestlängen festlegt, haben diese zum Richtigen weisende Berührung mit der Materie nicht. Sie müssen sich die notwendige Kenntnis erwerben durch Studium des Steinvorkommens und durch Beobachtung der Betriebe, in denen Steine gebrochen und zugerichtet werden. Erst die genaue Kenntnis der Materie schützt vor Torheiten. Voraussetzung für einen guten Verband aus vorrätigen Schichtensteinen ist, daß die Schichthöhen so aufeinander abgestimmt sind, daß jeweils zwei Schichten in einer aufgehen können.rnWie soll nun der Verband beschaffen sein? Über das Wesen des Verbandes ist schon so viel geschrieben, daß man glauben sollte, es wäre schier unmöglich, noch etwas falsch und unsinnig zu machen. Leider trifft diese Annahme nicht zu. Man sieht immer noch mehr schlechte als gute Ausführungen. Die Abbildungen 23 bis 28 zeigen eine gedrängte Auswahl von Verbänden, wie man sie gemeinhin antrifft. Sollen nun sämtliche Mauerflächen in Schichtenplänen durchgezeichnet werden? Bei der schwindelerregenden Größe mancher Bauwerke - die großen Bauten der Reichsautobahn enthalten oft Zehntausende von Quadratmetern Mauerfläche und mehr - ist das eine Belastung, die, wenn nicht gerade zum Irrsinn, doch sicher zum Stumpfsinn führt. Schichtenpläne finden naturgemäß nur auf große Mauerflächen Anwendung. Die Eckquadern und Auflagerbänke, im Hochbau die Fenster- und Türgewände und so fort sind hier wie beim freien Mauerwerk besonders sorgfältig auszubilden. Außer den Höhen sind hier auch die Längen anzugeben. Die Steine sind wie üblich zu numerieren, zweckmäßig mit Zahlen gemäß der Reihenfolge beim Versetzen.rnQuadermauerwerk nach VersetzplanrnDer Versetzplan, die zeitraubendste und kostspieligste Art der Disposition, ist heute noch trotz erheblicher Nachteile vorwiegend gebräuchlich. Wir sehen in dieser Tatsache nichts als einen bedauerlichen Mangel an Verantwortungsgefühl und eine übergroße Vorsicht, ja keinen, wenn auch noch so kleinen Fehler, zu machen. Da nun zumeist die Zeit fehlt, einen Verband sorgfältig durchzudenken, so wird ein Verband heruntergezeichnet, der entweder durch den Stumpfsinn gleichbleibender schematischer Tätigkeit höchst langweilig ist und sofort erkennen läßt, daß die Gehirnsubstanz des Planers völlig verbraucht ist, oder es wird ein Verband entworfen, der, um ja nicht langweilig zu sein, nun von sinnlosen Eigenwilligkeiten und kunstgewerblichen Verrenkungen strotzt. Es ist sehr schwer und es erfordert einen klaren, aber nicht amusischen Kopf, zwischen diesen beiden Extremen einen natürlichen Weg zu finden. Aus diesen Gründen sollte man möglichst auf den Versetzplan verzichten und ihn nur dann verwenden, wenn die Verhältnisse dazu zwingen. Das ist überall dort der Fall, wo ohne Angabe der Steinlängen ein unnötiger Stundenaufwand durch nachträgliches Abändern der Steine auf eine passende Länge entsteht, also bei Pfeilern und kleineren Flächen, die durch Ecken, Öffnungen und dergleichen eingeengt sind oder bei stark gegliederten Bauten, also vorwiegend im Hochbau. Im Brückenbau sollte sich der Versetzplan auf kleine Bauwerke, auf Pfeiler oder aufgelöste Quaderkonstruktionen beschränken.rnIm Versetzplan werden nicht nur die Höhen, sondern auch die Längen der Steine eingerechnet. Sämtliche Steine werden entsprechend der Verwendung an der Baustelle einzeln numeriert. Dieses Verfahren ist allgemein bekannt. Die technischen Dienststellen und die Bauleitungen, die mit der Errichtung von Werksteinbauten zu tun haben, müssen sich in Zukunft ernsthaft die Frage vorlegen, ob sie auch weiterhin in einer so unnötigen und auf die Dauer unverantwortlichen Weise das kostbarste Gut des Menschen, seinen Willen zum selbständigen Gestalten, in die Fesseln vorgeschriebener Striche schlagen wollen. Sie müssen nun endlich einsehen lernen, daß ein weiterer Einbruch akademischen Denkens und papierener Arbeitsweise in das Bauen die letzten schöpferischen Kräfte des Handwerks erbarmungslos tötet.