Die Balkenlage

B. Die BalkenlagernDie Balkenlagen dienen dazu, die inneren Räume eines Gebäudes mit einer Decke zu versehen. Liegt hierüber noch ein weiteres Geschoß, so trägt die Balkenlage auch gleichzeitig dessen Fußboden mit seiner Nutzlast (in Wohnhäusern Möbel und Menschen, in Speichern Waren usw.). Befindet sich über einem mit Decke zu versehenden Geschoß das Dach, so wird dieses außer von den Umfassungsmauern noch von der Dachbalkenlage getragen. In jedem Falle haben die Balkenlagen gewisse Lasten aufzunehmen und müssen entsprechend konstruiert sein. Je nach dem Zwecke, dem sie dienen, und der Lage im Gebäude unterscheidet man:rn1. Zwischenbalkenlagen (Geschoßbalkenlagen);rn2. Dachbalkenlagen, welche das oberste Geschoß eines Gebäudes abschließen und zugleich die Dachkonstruktion, den Dachstuhl, tragen;rn3. Kehlbalkenlagen, welche den Dachraum in übereinanderliegende Räume teilen (der Kehlbalken ist ein Konstruktionsteil des Dachstuhles).rnDie Balkenlagen werden gebildet durch waagerechte, in gewissen Entfernungen voneinander liegende Balken. Ihre Lage und ihre Verteilung wird bedingt durch die inneren Mauern, durch Schornsteine, Treppen usw.rn1. Benennung der BalkenrnDie Balken (vgl. Bild 247) haben folgende Benennungen:rnGanze Balken (1) sind solche, welche in einer Länge durch die ganze Tiefe des Gebäudes gehen und durch etwaige Zwischenmauern unterstützt sind (durchgehende Balken).rnGestoßene Balken (2) bestehen aus zwei oder mehreren Stücken, welche auf den Mittelmauern (oder anderen Unterstützungen) gestoßen werden. Es wird meistens der gerade oder schräge Stoß angewendet, und die beiden Balkenstücke werden durch Stahlklammern verbunden. Das Stoßen der Balken geschieht meistens, weil lange und dicke Balken kostspieliger und schwieriger zu erlangen sind als kürzere, und es kann auch unbedenklich bei jedem dritten Balken vorgenommen werden, wenn die durchgehenden mit den Außenmauern verankert sind.rnWandbalken (3) liegen auf einer Zwischenwand, welche unter der Balkenlage liegenbleibt.rnBundbalken nennt man solche Balken, welche auf einer Fachwerkwand liegen und dieser als Rähm und der etwa darüberliegenden zugleich als Schwelle dienen.rnStreichbalken (4) liegen neben einer über die Balkenlage hinausgehenden Wand, und zwar muß, um Decke, Zwischendecke und Fußboden befestigen zu können, auf jeder Seite einer solchen Wand ein Streichbalken liegen. Weil diese nur die halbe Last zu tragen haben, ist die Verwendung schmaler Hölzer vertretbar.rnOrt- oder Giebelbalken (5) liegen neben der Giebelmauer oder auf dem Mauerabsatz. Bei Fachwerkgebäuden ist der Ortbalken zugleich Bundbalken und liegt auf der Giebelwand. Ort- und Streichbalken werden 2 bis 4 cm (g) von der Wand entfernt verlegt.rnBinderbalken heißen diejenigen Balken der Dachbalkenlage, welche mit den Hölzern des Dachbinders vereint sind.rnLeerbalken liegen zwischen den Binderbalken.rnAuswechselungen (Bild 248) werden vorgenommen, wenn ein Balken nicht durch die ganze Gebäudetiefe durchgehen kann, sondern durch Schornsteine, Treppen, Oberlichte usw. unterbrochen wird. In Bild 247 b wird zwischen die beiden zunächstliegenden, ganz durchgehenden Balken ein Wechselbalken oder Wechsel mit Brustzapfen eingelegt, welcher den ausgewechselten Balken (Stichbalken, 6) ebenfalls mit einem Brustzapfen (d) aufnimmt.rnWegen der Feuersgefahr werden die Balken nicht dicht an die Schornsteine gelegt, sondern in einem gewissen Abstande, der durch baubehördliche Vorschriften bestimmt ist. Meistens soll der Abstand vom Rohrinnern 20 cm betragen. Ist also die Schornsteinwange ½ Stein = 12 cm breit, so muß der Zwischenraum zwischen Balken und Schornsteinwand 8 cm sein.rnGratbalken, unter dem Grat des Daches liegend, werden hin und wieder in Dachbalkenlagen erforderlich. Sie liegen diagonal zu den Wänden und nehmen beiderseits Stichbalken auf. Diese Anordnung kommt sehr selten vor, sie hat auch den Nachteil, daß der Gratbalken durch die vielen Zapfenlöcher sehr geschwächt wird. Eine bessere Lösung zeigt Bild 249. In diesem Falle ist der Gratbalken zugleich selbst ein Stichbalken und heißt daher Gratstichbalken.rnBei Fachwerkgebäuden, bei denen auch die Giebelwände auf vorgekragten Balkenköpfen ruhen sollen, muß die Balkenlage eine solche Ausbildung (Bild 249) erhalten. Gleiches gilt von Walmdächern, um allseits einen gleichen Dachüberstand zu bekommen.rnMauerlatten. In Bild 249 ist noch ein anderes Holz angegeben, welches nur in Verbindung mit den Dachbalkenlagen vorkommt, die Mauerlatte (m). Mit ihr sind die Balken verkämmt. Die Mauerlatten dienen nicht zum Tragen der Balken, sie liegen in ihrer ganzen Länge auf den Umfassungsmauern und bewirken eine gleichmäßigere Verteilung des Druckes auf die Mauer. Mauerlatten mit Geschoßbalkenlagen zu verbinden, ist fehlerhaft, weil die Mauer durch die Mauerlatte unterschnitten und dadurch in ihrer Festigkeit gefährdet wird.